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Geschichte
Der riesige Wächter fällt mit einem Krachen zu Boden. Du hast gesiegt. Vor dir liegt der Millennienturm... und das Ende deiner Reise. In seinen bröckelnden Fassaden wartet der Herold.
Die riesigen Holztüren des Turms öffnen sich, als du dich näherst. Du atmest tief ein, wappnest dich für das, was dich dahinter erwartet, und betrittst dann zaghaft den Turm.
Als du das Interieur den Turm siehst, keuchst du ehrfürchtig auf. Es ist klar, dass hier eine große Schlacht stattgefunden hat. Bruchstücke riesiger Säulen – die Stützen des Turms, nimmst du an – sind wahllos im zentralen Raum verteilt, und doch steht der Turm noch. Dich überkommt eine Welle der Orientierungslosigkeit, als dir klar wird, dass du nicht erkennen kannst, ob der Schaden vor Millennien oder erst vor wenigen Momenten passiert ist.
Vorsichtig gehst du die Wendeltreppe in der Mitte des Raumes hoch, bei jeden Schritt überprüfend, ob die Stufen dein Gewicht tragen können. Sie bleiben stabil. Die Innenwand des Turms ist mit einer großen Auswahl an Gemälden, Wandmalereien und Schnitzereien dekoriert, die du nicht einordnen kannst. In einem schlägt ein gottähnliches Wesen eine riesige, strahlende Bestie nieder, von dergleichen du noch nie gehört hast, und der du erst recht noch nicht begegnet bist. In einem anderen steht eine winzige Gestalt vor fünf riesengroßen Thronen, auf denen Götter – ja, es muss sich um Götter handeln – sitzen.
Du steigst weiter hoch, bis in den zweiten Stock des Turms, wo die Treppe in einem opulent dekorierten Vorzimmer endet. Du blickst nach oben und einen Moment lang denkst du, dass du hoch genug geklettert bist, um zwischen den Sternen zu stehen – aber dann schaust du noch einmal hin und siehst, dass an der Decke lauter kleine Löcher sind, die Licht durchlassen. Es glitzert über die Gesichter der goldverkleideten Krieger, die eingefroren an den vergoldeten Wänden stehen. Eine Erinnerung flackert in deinem Gedächtnis auf und plötzlich überkommt dich das Gefühl, dass diese statuesken Figuren gar keine Statuen, sondern alte Freunde sind. Du ertappst dich dabei, wie du deine Hand zu einer von ihnen ausstreckst, um sicherzugehen, dass sie nicht echt ist. Ihre Gesichter sehen unheimlich vertraut aus.
Du schluckst dein Unbehagen hinunter und drehst dich in Richtung der Tür, die in den zentralen Raum führt. Dort muss sich der Herold versteckt halten. Ein letztes Mal überprüfst du deine Waffen, dann wagst du dich hinein.
Die zentrale Kammer ist größer, als du es dir hättest vorstellen können. Du kannst nicht anders, als nach oben zu blicken, als du eintrittst, aber die Decke scheint sich meilenweit in den Himmel zu erstrecken. Ein Schwindelgefühl überkommt dich, als du realisierst, dass du diesen Ort schon einmal gesehen und du dich genauso gefühlt hast. Du schaust dich um und siehst die Kammer mit anderen Augen. Hier hat alles begonnen. Hier hat sich dein Leben für immer verändert.
Vor dir sind vier Throne – die Throne der Götter. Leer. Wo sind sie? Du suchst weiter. Hinter ihnen, über sie emporragend, steht ein fünfter, noch größerer Thron. Auf diesem Thron sitzt eine große, dunkle, in Schatten getauchte Gestalt. Alles, was du von ihrem Gesicht sehen kannst, ist ein Paar leuchtender, bohrender Augen. Der Herold.
Vor Ehrfurcht eingefroren kannst du nichts tun, als dabei zuzusehen, wie der Herold aufsteht und auf dich zu schwebt.
"Sieh an, sieh an. Der Held kehrt endlich zurück", spricht er, trocken.
Du nimmst allen Mut zusammen und rufst zu ihm hoch.
"Ich bin hier, um zu kämpfen! Um Sie dafür zahlen zu lassen, was Sie getan haben!"
Der Herold lacht leise.
"Ist es das, was du denkst?", fragt er.
"Nein. Du bist aus einem Grund hier, einem einzigen. Weil ich dich hierher beschworen habe. Du bist zu meinem Sanktuarium gegangen. Du hast meine Anweisungen gelesen. Und an jeder Kreuzung bist du dem Pfad gefolgt, den ich für dich gewählt habe – in dein Verderben."
Angst erfüllt dein Herz, als du merkst, dass du nicht in der Lage bist zu sprechen. Du versuchst, zurückzuweichen, aber deine Füße sind wie eingefroren.
"Bist du dir überhaupt über das Ausmaß meiner Macht bewusst?", fährt der Herold fort. "Ich sehe in die Vergangenheit. Ich kontrolliere die Zukunft."
Du weißt, dass der Herold hinter allem steckt. Der dunkle Nebel, Ahrenias Schicksal, selbst die Götter... alles war von Anfang an festgelegt. Gibt es wirklich keinen Ausweg?
Der Herold beginnt, einen Blitz aus schattenhafter Magie zu beschwören und ihn in seinen Händen hin- und herzubewegen.
"Hast du wirklich gedacht, ich würde dir die Möglichkeit geben, mich zu besiegen?"
Du öffnest deinen Mund, um zu schreien, aber dir entkommt kein Laut. Der magische Blitz in den Händen des Herolds ist mittlerweile ein riesiger, knisternder Ball aus dunkler Energie. Funken fliegen, als er sich zurückzieht und darauf vorbereitet, zuzuschlagen. Du siehst ihm direkt in die Augen und hältst deine Stellung – nicht, dass du eine Wahl hättest.
In den fernen Weiten deines Geistes, hinter dem adrenalingeladenen Rauschen in deinen Augen, fühlst du, wie das Amulett um deinen Hals immer wärmer wird, von innen brennend.
In dem Moment lässt ein ohrenbetäubendes Brüllen die Wände des Turms erzittern. Malcs! Der Herold sieht hoch, seine Konzentration gebrochen, und du spürst, wie deine Glieder wieder auftauen. Du nutzt die Gelegenheit und springst zurück, gerade als eine Flammensäule durch das Zentrum des Turms direkt auf den Herold zu jagt. Er heult vor Schmerz auf und setzt den Ball voll dunkler Magie frei. Er rast aufwärts, in die Schatten, und trifft Malcs mit einem krächzenden Schrei.
Malcs saust mit einem Krach auf den Boden, der den ganzen Turm erbeben lässt. Du kannst gerade so die Balance halten – so auch der Herold, der seine Aufmerksamkeit wieder auf dich richtet.
"Was ist los?", spottest du. "Angst vor einem fairen Kampf?"
Der Herold knackt mit seinen langen, dürren Fingern, wie eine Spinne, die sich auf einen Angriff vorbereitet.
"Genug mit den Spielchen!", faucht er. "Dein kleiner Aufstand endet hier!"
Seine Hände hebend bricht er ein Stück Stein aus der Wand des Turms und schleudert ihn auf dich. Du duckst dich und kommst mit deinem Schwert in der Hand auf ihn zu.
"Für Melvor!", schreist du, als die Schlacht beginnt...
Voraussetzungen
- Besiege
'Wächter des Herolds' einmal