Buch VI

Geschichte

Die Spinnenkönigin bricht zusammen, ihre Wunden umklammernd. Du bewegst dich auf den Ausgang zu, als sie eine zitternde Schere nach dir ausstreckt.

"Warte... kleines Ding...", sagt sie, "Der Weg zum Millennienturm..."

Du drehst dich um, interessiert daran, was sie zu sagen hat. Sie hat Schwierigkeiten zu sprechen und die Höhle um sie herum bebt – du musst im Kampf die modernden Holzstützen verrückt haben.

"Du musst... die Nekromanten... suchen. Setz ihrem Fluch ein Ende. Aber nimm dich vor den–"

Ihre letzten Worte werden übertönt, als ein lautes Grollen die Höhle wackeln lässt. Hunderte Spinnen kommen aus den Spalten in den Felsen und krabbeln auf dich zu. Du bereitest dich auf einen weiteren Kampf vor, aber sie krabbeln weiter und fliehen durch jegliche Pfade, die sie finden können. Die Spinnenkönigin hat sich zusammengerollt, tot. Was auch immer es war, wovor sie dich warnen wollte, muss warten – du musst jetzt rennen!

Als du in Richtung des Ausgangs läufst, kracht ein riesiger Stalaktit von der Decke und versperrt den Zugang. Du wirbelst herum und siehst dich nach einer Alternative um. Da! Die größeren Spinnen zwängen sich durch einen Riss im Gestein. Du drängst dich durch die unzähligen arachnoiden Körper und keilst dein Schwert in den Spalt. Du drückst mit all deiner Kraft, in der Hoffnung, dass dein provisorischer Hebel halten wird.

Ein furchtbares kratzendes Geräusch ertönt, als die Wand zusammenbricht und einen engen Tunnel offenlegt. Es ist keine Zeit nachzudenken, wohin er führt – du rennst hinein, gefolgt von einem halben Dutzend Spinnen. Sie krabbeln in die Dunkelheit hinein und du schiebst dich alleine vorwärts.

In der anwidernden Dunkelheit des Tunnels kannst du nichts erkennen. Du hast das Gefühl, dass du dich aufwärts bewegst, und als der enge Tunnel breiter wird, spürst du eine kühle Brise auf deiner Haut. Unter deinen Füßen werden aus rauen Steinen sorgfältig verlegte Steinplatten, und bevor du dich versiehst, siehst du ein Licht, das durch eine Art Gitter scheint. Ein Weg nach draußen!

Du kletterst eine hilfreich positionierte Leiter hoch und drückst vorsichtig gegen das Gitter, das sich mit einem Quietschen rostigen Metalls öffnet. Nach der stundenlangen Finsternis in der Höhle der Spinnenkönigin wirst du von der Nachmittagssonne geblendet, aber als sich deine Augen langsam daran gewöhnen, siehst du eine wunderschön behaltene städtische Straße. Die Pflastersteine scheinen in der Nachmittagssonne zu glänzen. Töpfe mit regenbogenfarbigen Blumen hängen an romantischen Balkons und Blumenkästen. Marktstände mit jeder Menge aufregenden Waren säumen den Straßenrand, aber alles ist still – vielleicht sind die Leute woanders beschäftigt?

Vorsichtig kletterst du raus und beginnst, den Ort zu erkunden. Du füllst deine Feldflasche bei einem friedlich plätschernden Brunnen auf. Du schlenderst durch die Gassen und schaust durch die Fenster, aber noch immer keine Spur der Leute, die hier leben. Es gibt allerdings jede Menge Vorräte. Die Läden sind gefüllt mit Obst und Gemüse jeder Sorte – und nicht ein Staubkorn ist auf ihnen zu sehen. Da niemand hier ist, findest du, dass es in Ordnung sein sollte, ein paar Bissen zu nehmen. Dann nimmst du noch ein paar mehr. Während du hier bist, kannst du genauso gut auch ein paar Zitronen in deinen Rucksack stecken.

Ehe du dich versiehst, geht die Sonne unter. Die Straßen funkeln mit Licht, als du einen großen Bissen aus einem frischen, saftigen Apfel nimmst. Daran könntest du dich gewöhnen – doch du kannst nicht anders, als dich zu fragen, wo alle anderen hin sind.

Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Als die Sonne hinter den Dächern der Stadt verschwindet, hörst du ein Geräusch, das dir einen Schauer über den Rücken jagt – ein bestialisches Geräusch, das plötzlich überall um dich herum zu hallen scheint. Du stehst auf, die Haare zu Berge stehend, und bereitest dich auf einen Kampf vor.

Das erste Monster kommt von links aus den Schatten gerast, die Zähne entblößt. Du weichst zurück, seine scharfen Klauen streifen nur leicht deinen Plattenpanzer, lassen aber einen großen dunklen Riss in deiner Rüstung zurück. Schattenmagie? Bevor du Zeit hast zu denken, springt aus einer Gasse eine zweite Kreatur – diese ist menschenähnlich – vor dich und lässt einen kehligen Schlachtruf los. Ohne zu zögern, stürzt du mit dem Schwert auf sie. Du triffst – und ihr Kopf fällt zu Boden und hinterlässt schattenhafte Flecken auf dem Kopfsteinpflaster. Dann siehst du vor Entsetzen dabei zu, wie die Schatten um den Kopf der Kreatur herum langsam wieder in Form schmelzen. Die Kreatur knurrt und torkelt erneut auf dich zu.

Sie sind unverwundbar! Dein Schwert ist nutzlos! Panisch ziehst du dich ins Gebäude zurück. Vielleicht kannst du dich drinnen verbarrikadieren? Dann bemerkst du, dass der solide Eichenholzbolzen der Tür mitten im Raum liegt, in zwei Teile gebrochen. Offensichtlich hat das schon einmal jemand probiert... und ist gescheitert.

Glassplitter fliegen durch den Raum, als die erste Kreatur direkt durchs große Ladenfenster springt. Du kramst nach deinem Zauberstab und zauberst einen Feuer-Hieb in ihre etwaige Richtung, an der Hoffnung festhaltend, dass Magie dort funktionieren würde, wo Stahl gescheitert ist. Das tut sie nicht – tatsächlich verfehlt der Feuerball komplett –, aber das Monster schreckt mit einem ohrenbetäubenden Kreischen des Leids zurück, und als das Feuer den Raum erhellt, zerfällt es zu Staub. Natürlich! Die beste Art, Schatten zu verbannen, ist Licht!

Mit klarem Verstand holst du die Gardinenstange vom Fenster runter und wickelst den Stoff fest darum, bevor du die Stange in die Flammen eintauchst. Deine provisorische Fackel schwingend rennst du hinaus und die dort versammelten Schattenkreaturen ziehen sich, vor Schmerz fauchend, zurück.

Du bist sicher, fürs Erste, aber deine Fackel wird nicht lange halten. Du musst von hier verschwinden! Du folgst der Hauptstraße durch die Stadt und verscheuchst die Schattenkreaturen, sobald dir welche von ihnen zu nahe kommen. Sie kommen in allen Formen und Größen, aber sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind wütend, und sie sind wütend auf dich. Vielleicht hättest du die Frucht nicht essen sollen... oder vielleicht verwechseln sie dich auch mit einem der früheren Einwohner. Während du dir den Weg durch die Wellen knurrender Schatten bahnst, überlegst du, was die Leute dieser Stadt bloß getan haben könnten, um die Kreaturen so zu erzürnen...

Voraussetzungen

  • Schließ 'Versteck der Spinnenkönigin' einmal ab