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Geschichte
"Stopp!"
Die Wächterin des Sanktuariums streckt eine riesige, von Laub bedeckte Hand aus. Du hörst auf, auf die Ranke an deinem Bein einzuhacken, als diese sich wieder in den Boden verzieht.
"Du hast dein kämpferisches Talent bewiesen. Du bist würdig und kannst das uralte Sanktuarium ungehindert betreten."
Bevor du dich bedanken kannst, sinkt die Wächterin zurück in die Erde und lässt den Vorplatz so unberührt zurück, wie er war, als du ankamst – mit ein paar mehr herumliegenden Blättern als vorher. Dir entkommt ein Seufzer der Erschöpfung und du wendest dich erneut dem Sanktuarium zu, um es zu betreten – dieses Mal etwas vorsichtiger.
Die Ruinen des uralten Sanktuariums sind von Moos bedeckt. Fremdartige Schlingpflanzen klettern sein zerfallenes Skelett hoch, nach oben gedreht, als wären sie in ein Gebet vertieft. Die Luft ist feucht und stechend, mit einer drückenden Stille.
Du gehst vorwärts, verdrehte Wurzeln längst abgestorbener Bäume knacken unter deinen Füßen und tauchen in die Erde am Boden ein. Du bist fasziniert von den ungewöhnlichen, formlosen Schnitzereien, die den äußeren Korridor des Sanktuariums schmücken – nicht ganz erkennbare Figuren kriechen und tanzen den Eingang entlang. Sie sind definitiv keine Vorloran, aber etwas anderes sind sie irgendwie auch nicht. Beunruhigend, ja – aber nicht vollkommen unvertraut. Du duckst dich durch den schmalen Eingang und in das Sanktuarium hinein.
Vor dir liegen die Überbleibsel eines riesigen Korridors. Du atmest ein und schließt deine Augen, um ein Gefühl der Vergangenheit dieses durch die Witterungseinflüsse verwüsteten und wild überwachsenen Ortes zu bekommen. Du kannst seine Erhabenheit spüren – dies war einst ein Ort von Bewegung, Intrigen, Anbetung, Magie und Zerstörung. Es gibt viel zu erkunden.
Die Wände sind mit riesigen Schnitzereien von noch mehr seltsamen Figuren geschmückt, von denen einige verehrende Handlungen auszuführen scheinen, während andere dich mit ausdruckslosen Augen anstarren. Du stolperst leicht und schaust hinunter in den Schutt, wo du ein halb vergrabenes Relikt entdeckst. Aber du bist nicht für Schätze hier.
Du gehst weiter hinein. Eingeschlagene Spiegel zieren die Wände und der Boden ist voller Glassplitter. Ein langer Tisch – vielleicht ein Altar – an der gegenüberliegenden Wand ist in zwei Teile gebrochen. Beide Hälften sind von Efeu ergriffen, als wäre der Altar in einer lang vergessenen Schlacht entzweigerissen worden.
Deine Augen kehren zu den Figuren darüber zurück – eine sehr große Figur türmt über dem Ort, an dem der Altar einst stand. Du schaust etwas genauer hin. Kann das sein? Nein – sicher nicht...
Du gehst näher heran. Eine große, mächtige Figur. Imposant in der Haltung und mit gebietendem Blick. Doch das ist noch nicht alles.
Ihre Augen sind zwei lila Edelsteine.
Du siehst dir erneut die anderen Reliefs an. Kleinere Figuren, Gläubige – sind dies die Leute der Götter? Ist dies ihr Sanktuarium?
Jetzt ergibt alles Sinn – das Gefühl großer Macht, das von dem Ort ausgeht. Haben sie diese Macht genutzt, war dies ihre Quelle? Oder haben sie diesen Ort mit ihrer Macht erschaffen und haben ihre Verehrer diesen dann für ihre eigenen weltverändernden Zwecke genutzt? Was ist mit ihnen allen passiert?
Im Westen der Halle ist eine beinahe verborgene Nische. Du atmest tief ein und schiebst dich durch einen Spalt zwischen zerbröckelten Mauern. Auf der anderen Seite stolperst du über einen riesigen Rahmen. An eine Steinsäule gelehnt entstaubst du den Rahmen und betrachtest das Bild mit studierendem Blick.
Es scheint das Sanktuarium selbst darzustellen, nicht im satten Grün seines derzeitigen überwachsenen Zustands, sondern mit blutroten und stahlgrauen Flecken. Eine Schlacht – oder vielleicht war die Schlacht bereits gewonnen und dies war ihr Nachspiel. Körper überall. Manche weinend und rennend. Die meisten von ihnen geknickt und leblos. Du weichst vor dem viszeralem Horror zurück, über Relikte stolpernd und einen rostigen Kelch über den Boden tretend. Du drückst dich zurück durch die Spalte und taumelst in die Haupthalle. Benommen siehst du die östliche Wand hoch. Plötzlich siehst du es in Gänze.
Durch die schiere Größe der Schnitzerei entzog sich dir ihre Bedeutung, als du das erste Mal hineinkamst, aber nun kannst du sie ganz sehen – riesige ausgebreitete Flügel reichen an jedes Ende der Halle und bilden den Rahmen für furchterregende Klauen und einen gigantischen, bösartigen, mit Zähnen besetzten Kopf. Es ist ein riesiger Drache. Große elektrische Schnitte stellen Blitzstrahlen dar und, in der Ferne, ist ein Turm abgebildet.
Nicht irgendein Turm – der Millennienturm. Vielleicht ist diese Schnitzerei ein Hinweis auf seinen Standort. Du trittst einen Schritt zurück und suchst die langen Wände des Sanktuariums ab. Ein breiteres Bild formt sich. Der Turm scheint vom großen Drachen bewacht zu werden, der an einem von Gewitterstürmen vernichteten Ort haust. Du hast von einem solchen Ort schon einmal gehört – von einer ganzen Region, die von Blitzen beschossen wurde. Geschichten von einer großen Bestie, die die jenseitigen Gefilde bewacht.
Vor dem Drachen ist ein blutroter See. Das primitive Gekritzel scheint auf eine große Hitze hinzuweisen. Es ist bekannt – und es wird immer wieder davor gewarnt –, dass große Flüsse aus Lava von den Bergen westlich von Melvor hinunterkommen, die in Seen aus Feuer enden. Vielleicht führt die Tundra dahinter in das Land der Gewitter.
Mit neuem Zweck erfüllt drehst du dich um, um das Sanktuarium zu verlassen. Bevor du hinausgehst, wirfst du noch einen Blick auf die Figur über dem Altar. Ihre lila Augen scheinen zu glühen.
Voraussetzungen
- Schließ
'Uraltes Sanktuarium' einmal ab